gartenzwerg-mit-schild

Wie war das noch mit dem Populismus? Er ist böse-böse-böse! Populismus kommt vom lateinischen ‚populus‘ – das Volk; zum Volk komme ich später; denn das Volk kann warten. Es hat sich daran gewöhnt. Zuerst sage ich etwas zum Begriff ‚Populär‘. Ich erkläre es mal am Beispiel der Musik: Oper ist gute, wertvolle Musik. Pop ist schlecht. Ok, ich vereinfache sehr stark, ich geb’s zu. Aber Vereinfachungen machen die Sache einfacher – das liegt in ihrer Natur. Zweites Beispiel: Wir schauen ins Buchregal und stellen bildungsbeflissen, wie wir nun mal sind, fest: Literatur ist gut. Porno ist schlecht (Wahrscheinlich steht der Porno gar nicht in Ihrem Buchregal, aber ich will es jetzt nicht unnötig kompliziert machen).

Sind soweit alle einverstanden? Ja. Nun ja. Ok, ja – einverstanden. Dann vergleichen wir jetzt einmal die Verkaufszahlen von guter klassischer und doofer populärer Musik, und sofort wird klar, wo die Luzzie steppt, der Rubel rollt und der Opern-Intendant den Gürtel enger schnallen muss. Und da Literatur und Pornographisches einträchtig nebeneinander in den Verkaufslisten stehen, kann man anhand der Rankings unschwer erkennen, dass es beim Massengeschmack keine Grenzen nach unten und bei den Verkaufszahlen (fast) keine nach oben gibt.

Nein, das ist keine Konsumentenschelte; das ist einfach nur eine Feststellung. Leute so ist es eben, und jetzt  mal ehrlich: Populäres ist sexy, Populäres kommt an, ist viel weniger anstrengend, berührt Herz und Bauch, holt mich dort ab, wo ich grade stehe, hat eine Ventilfunktion und macht ganz einfach mehr Spaß! All dies gilt auch in weiten Teilen für Populismus. Dem Volk auf’s Maul zu schauen, ist nicht erst seit Luther ein probates Mittel der Politik. Was dagegen?

Und jetzt kommen wir endlich zum Volk.

Wer ist das eigentlich – das Volk? Die da oben oder wir hier unten? Ist es die Mehrheit oder die Summe aller Minderheiten? Es ist … kompliziert. Trotzdem ist bei Literaturlesenden und Operngängern Konsens: Populismus ist äähbä, und reife Demokraten bleiben peinlich berührt auf Abstand.

Fragt sich nur, wie dieser Abstand aussieht: weltfremder Elfenbeinturm oder gesunde Distanz?

Und was ist das überhaupt: eine reife Demokratie – superlecker-saftig oder doch eher überreifes Fallobst?

Woher kommt dieses dumpfe Unbehagen, dass ‚da oben‘ irgendwie ‚am Volk vorbei‘ regiert wird?

Ist denn das Volk laut Grundgesetz nicht der Souverän?

Und trotzdem ist es ganz offensichtlich zu doof um zu regieren? Schon Heinrich Heine sang vom ewigen „Eiapopeia“, mit dem man das Volk, den „großen Lümmel“ einlulle … [1]

Wieso stellen Populisten oft Fragen, die sich ‚irgendwie‘ richtig anhören, während die wohlfeilen Antworten oft so haarscharf am Thema vorbeischrammen, dass man schon sehr genau hinhören muss, um das überhaupt zu kapieren?

Jan-Werner Müller schrieb vor Kurzem in einem Artikel vom Populismus als dem „Schatten der Demokratie“[2]. Wieso fühlt es sich in letzter Zeit in unserem Land oft so verdammt schattig an, dass es mich friert?

Schauen wir doch mal genauer hin.

Demokratie für Dummies

Die Demokratie soll ja eine Erfindung der ‚alten Griechen‘ sein.  Dazu weiß  Wikipedia[3], wie üblich, alles und belehrt uns folgendermaßen:  Demokratie – nach altgriechisch  δημοκρατία „Herrschaft des Staatsvolks“.

Auch der Blick ins Grundgesetz lohnt. Dort steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Das klingt ja ganz ähnlich. Die weiteren Erläuterungen zur Gewaltenteilung und Repräsentanten erspare ich meinen LeserInnen. Erstens lässt sich das auch wunderbar auf Wikipedia nachlesen, und zweitens sprechen Populisten ja gerade diesen Staatsorganen oft mit großer Geste jegliche Berechtigung ab – um sich aber, ohne mit der Wimper zu zucken in ebensolche Positionen hineinwählen zu lassen (die EU-Abgeordnete und GEZ-Saboteurin Beatrix von Storch geht da ja mit gutem (sic!) Beispiel voran).

Was bedeutet das eigentlich „Herrschaft des Staatsvolkes“ bzw. „die Staatsgewalt geht vom Volke aus“?

Im antiken Athen wurde man stimmberechtigtes Mitglied des „Staatsvolkes“, wenn man folgende Eigenschaften aufwies: volljährig, männlich und ‚frei geboren‘. Frauen, Sklaven und ‚geduldete Asylanten‘ (Metöken) hatten keine Bürgerrechte. De facto handelte es sich um eine Minderheiten-Demokratie. Allerdings mit überraschend modern anmutenden Aspekten (die man auch gern im Netz oder Geschichtsbuch nachlesen kann).

Zwischen Athen und Berlin (bzw. Bonn, um genau zu sein) liegen nicht nur Jahrtausende, sondern auch Französische Revolution, Drei-Klassenwahlrecht, zwei Weltkriege, Willy Brands Ausspruch „mehr Demokratie wagen“ und der Arabische Frühling. Hoppla, beinahe hätte ich das Frauenwahlrecht vergessen …  Und was hat’s gebracht? Sind wir klüger geworden? Immerhin nennt sich das Volk jetzt ‚Souverän‘ – klingt doch toll, oder? Nein, nicht so? Warum denn nur?

‚Reife‘ Demokratien oder Fallobst?

Offenbar muss das Volk beaufsichtigt werden, denn es ist nicht besonders reif, tritt vor allem als lautstarker Mob in Erscheinung, und benötigt entweder sanfte Bevormundung oder gar die harte Hand des Staates. Wirklich? Und falls  ja, warum ist das (immer noch) so? Die Bundesrepublik gibt es doch schon etwas länger und die Wiedervereinigung war auch nicht erst gestern. Benehmen wir uns trotz ‚reifer‘ Demokratie immer noch kollektiv wie unreife Pubertätsgören? Hat das vielleicht etwas mit dem Massenphänomen zu tun, dass Demokratie von vielen als Mogelpackung empfunden wird?

Oder ist es mit der reifen Demokratie so wie mit den Impfungen? Je mehr die Seuchen und in Vergessenheit geraten, die vor wenigen Jahrzehnten noch Massen von Kindern meuchelten, desto mehr treten die Nebenwirkungen von Impfungen in den Vordergrund, Verschwörungstheorien wuchern (Impfen macht Autismus!), und militante Impfgegner laden zu Masernparties um ihre Kleinen auf natürlichem Wege zu immunisieren und abzuhärten.

Läuft es etwa in unserer Gesellschaft so gut, dass wir mäkelig werden und aus lauter Übermut und Langeweile am Lack der Demokratie herumkratzen? Quasi-Vollbeschäftigung, soziale Hängematte für alle, Exportrekorde – ja was denn, du dummes Volk, möchte man sagen – bist du immer noch nicht zufrieden?

Nein, ist es nicht. Denn Achtung! Das schöne, weltoffene und prosperierende Deutschland ist nur eine Seite der Medaille.

Moderne Mythen

Auf der Dringend! To! Do!-Liste stehen nämlich viele Themen. Zum Beispiel das Unbehagen an ‚denen da oben‘, die über die Köpfe von ‚denen da unten‘ hinweg regieren. Wie konnte das passieren? Ja, Deutschland ist ein reiches Land. Aber dieser Reichtum ist – auch im internationalen Vergleich – extrem ungleich verteilt. Wer hat, dem wird gegeben, oder, wie es meine Oma ebenso knapp wie treffend ausdrückte: „Der Teufel scheißt immer nur auf den großen Haufen“ (Populistisch? Volksmund? Lebensweisheit? – Suchen Sie sich aus, was Ihnen gefällt!) Aber da gibt es ein paar Vokabeln, mit denen dem ‚großen Lümmel‘ immer aufs Neue das Märchen von der Chancengleichheit erzählt wird: Arbeitnehmer sollen sich geadelt fühlen, wenn man sie als ‚Humankapital‘ bezeichnet. Heroische ‚Leistungsträger‘ schultern die Lasten der unternehmerischen Verantwortung; auch wenn sie nur wenig leisten, sondern lediglich ihr Kapital wechselweise hier oder in Panama verwalten. Netzwerke der Finanzelite schustern sich gegenseitig Boni zu und führen, ohne rot zu werden, den Spruch im Munde: „Wir sind Elite ohne elitär zu sein.“ Die Eheanbahnung bei Elite-Partner überlassen sie dann aber doch lieber den Doofen und erzählen weiter das Märchen von der offenen und durchlässigen Leistungsgesellschaft, während sie fein säuberlich darauf achten, dass bei ihnen alle Türen geschlossen bleiben.

Es ist ein Treppenwitz, dass die führenden Hirne der AfD-Populisten aus eben dieser abgeschotteten gesellschaftlichen Schicht stammen, und es schaffen, ihre schamlose Klientel-Politik als ‚volksnah‘ zu verkaufen. Also ist das Volk, der ‚große Lümmel‘ doch zu verschlafen, zu ungebildet und zu unreif? Vielleicht ist das ja alles kein Zufall?

Bildungsversager for President

Nach der Bildungsinitiative der 70’er Jahre wurde die Durchlässigkeit in unserer Gesellschaft sukzessive wieder zurückgefahren. Ja klar, mittlerweile kann man es auch ohne Abitur bis zur (Fach)Hochschule schaffen. Aber de facto entscheiden immer noch (oder wieder) Herkunftsmilieu und elterlicher Geldbeutel über Bildung und gesellschaftliche Positionierung.[4]

Manchmal treibt Elitenbildung auch seltsame Blüten: Es ist erst wenige Jahre her, da gab es einen regelrechten Hype ums Chinesisch-Lernen. Schon die ganz Kleinen büffelten in privaten, sehr teuren  KiTas Mandarin und tuschten eifrig Schriftzeichen, um sich als künftige Leistungselite (sic!) fit zu machen für die Herausforderungen der globalisierten Märkte. Heute sind es meist nach Deutschland eingewanderten Chinesen, die diesen Service nutzen. Elitäre Einrichtungen für Gutbetuchte kreieren schon längst neue modische Erziehungsprojekte, während Brennpunkt-KiTas mit hastig umgeschulten Schlecker-Kassiererinnen vorliebnehmen sollten. Dort werden Kinder mit definitiv erhöhtem Förderbedarf mit einem Personalschlüssel ‚betreut‘, der zur Verwahrlosung führen würde, wenn sich die Erzieherinnen nicht so vehement für ihre Schützlinge einsetzen würden – selbstverständlich bei mieser Bezahlung, da es in Deutschland ein Naturgesetz ist, dass betreuende und pflegende Tätigkeiten schlecht bezahlt werden.

Natürlich setzt sich das Elend in den Schulen nahtlos fort: Stadtteilschulen werden finanziell ausgeblutet, Eltern ziehen um, um ihren Kindern Klassen mit unzumutbarer sozialer Zusammensetzung zu ersparen, die Ghettoisierung schreitet unaufhaltsam fort.

Es geht auch anders. Das zeigt die Auswahl an Schulen, die mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden.[5] Auch die Rütlischule, die mit einem Brandbrief des Lehrerkollegiums 2006 Aufmerksamkeit erregte, zählt inzwischen zu den positiven Beispielen. Aber das sind Leuchttürme. Ein Dorf oder ein paar Straßen weiter kann es schon ganz anders aussehen.[6]

Auf der anderen Seite haben wir elitäre, abgeschottete Privatschulen, Postgraduierten Karriereplanung und Alumni-Netzwerk inklusive – kurz: geschlossene Gesellschaften. Oder fünfjährige Erstklässler, deren alterstypischer Bewegungsdrang wechselweise als Hochbegabung (Elite!) oder als ADHS (Unterschicht!) interpretiert wird – mit schichttypischem Ergebnis. Schüler, die zum Turbo-Abitur geführt werden, leiden unter Bulimie-Lernen und ersticken fast an unreflektiertem Wissen, wenn sie es nicht punktgenau zum Prüfungstermin erbrechen. Minderjährige G8-Absolventen erleben die Immatrikulation an Papas und Mamas Hand und sehen die straffen, exzellenzorientierten Lehrpläne der Universitäten als eine Fortsetzung der Schule mit anderen Mitteln. Nicht für das Leben lernen wir, sondern für die Karriere …  Zugegeben, ich übertreibe. Aber nur ein wenig.

Was hat das mit Populismus zu tun?

Weil in diesem extrem milieuspezifischen, eng getakteten und oft ums eigene Überleben kämpfenden Bildungssystem eins zu kurz kommt: die Bildung zum mündigen Bürger, zur mündigen Bürgerin. Und wäre das nicht erste ‚Bürgerpflicht‘? Trends wie Vorschul-Chinesisch, vorgeburtliche Mozartsinfonien und PEKIP sind schnelllebig, und oft schon nach kurzer Zeit nicht mehr das Papier wert, auf denen sie konzeptioniert wurden. BürgerIn bleibt man jedoch ein ganzes Leben lang. Zweifellos gibt es viele engagierte, junge Menschen, aber in zahllosen Gesprächen habe ich erschrocken festgestellt, wie weitverbreitet fundiertes politisches Unwissen ist. Man kann es auch Ignoranz nennen. Als meine Tochter sich für den Gemeinderat zur Wahl stellte und zuletzt im Landtagswahlkampf, ist uns klar geworden, dass es auch bei Ignoranz und Unwissen gebildeter junger Menschen offenbar keine Grenze nach unten gibt. Und dies obwohl heute mehr Informationsmöglichkeiten denn je zur Verfügung stünden (Konjunktiv – Möglichkeitsform …). Obwohl staatsbürgerliches Faktenwissen Bestandteil der Lehrpläne ist und in Prüfungen punktgenau ‚erbrochen‘ wird. Danach ist es dann aber meistens spurlos aus den Hirnen verschwunden.

Was bleibt? Ein dumpfes Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Milieu (Schicht sagt man heutzutage nicht mehr), zur sozialen Bezugsgruppe, ein schwammiges patriotisches Gefühl, gepaart mit Trotz wegen angeblicher Kollektivschuld am Holocaust, was immer wieder mit vorauseilender Wut ins Feld geführt wird, wenn es um das Thema Nationalstolz geht und ein ebenso unbestimmtes Gefühl zu kurz zu kommen, und dass ‚die da oben‘ sowieso machen was sie wollen (was ja durchaus seine Berechtigung hat).

Nachsitzen! Bildung zum Zweiten …

Auch die AfD kritisiert die Konzentration der Bildung auf die „Reduktion der wirtschaftlichen Verwertbarkeit“.[7] Das klingt schön, führt aber nur zu hohlen, rückwärtsgewandten Phrasen der Leistungsgesellschaft, garniert mit nicht näher definierten Idealen der ‚deutschen Geistesgeschichte‘.

Wenn ich Bildung zum mündigen Bürger, zur mündigen Bürgerin fordere, dann meine ich etwas anderes: Vor allem mehr Zeit und Raum für bürgerschaftliches Engagement und für praktische Erfahrungen in selbstwirksamem Arbeiten in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Einen Überblick zu ‚Lernen durch Engagement‘ bietet zum Beispiel die Aktion ‚Service-Learning‘[8]  oder das Mentoren-Projekt „Balou und DU“[9]. Ich habe selbst langjährige Erfahrung mit einem solchen Mentorenprojekt in Bosnien und kann feststellen, dass hier alle profitieren: Die Kinder, die eine/n SchülerIn als MentorIn bekommen und die MentorInnen selbst. Über die Jahre wächst auch ein gesellschaftliches Bewusstsein. Wer sich für die Projekte interessiert, die ich seit 2002 begleite, findet weitere Informationen auf meiner Homepage.[10]

Weitere mögliche Engagements wären zum Beispiel im Rahmen von Schülerzeitungen und Medienkompetenz, die über das ‚Daddeln‘ hinausgeht. Suchtprävention ist wieder verstärkt gefragt. Das Geschlechterrollenverständnis und die eigene sexuelle Selbstfindung in einer sich rasant wandelnden Welt, die zwischen verschleierten Karrierefrauen bis hin zu transsexuellen Pop(!)-Künstlern eine Vielfalt anbietet, die ebenso verwirrend wie bereichernd sein könnte (der Konjunktiv begleitet uns hartnäckig!). Dann gibt es auch noch die Möglichkeit direkt an politischen Prozessen zu partizipieren: nicht nur in der Schülermitverwaltung, sondern in Kinder- und Jugendparlamenten oder in Jugendorganisationen von Parteien. Dies alles braucht Zeit – und auch Geld. Aber vor allem braucht es eins: den Willen, ALLE jungen Menschen an Politik und gesellschaftliche Verantwortung heranzuführen.

Und daran fehlt es viel zu oft.

Und das wird uns einmal gewaltig auf die Füße fallen, wenn ich das mal so salopp sagen darf (diesmal ohne Konjunktiv!)

Dumpfbackentum und verschnarchte Politikverdrossenheit, die sich populistische Ventile suchen, sind da doch eigentlich die logische Konsequenz, oder? Und ist nicht Populismus die logische Antwort darauf? Empathisch, hart aber herzlich, laut und einfach holt sie die Menschen dort ab, wo wir (die Gesellschaft) sie stehen ließen. Sorry, aber diesen Schuh müssen wir uns anziehen.

Parliament meets reality

Eingangs erwähnte ich dieses leidige Gefühl des ‚Volkes‘, dass es über die Köpfe hinweg regiert würde. Zum Thema direkte Demokratie werde ich demnächst einen weiteren Beitrag schreiben, denn dieser hier ist länger geworden, als ursprünglich geplant. Nur eins möchte ich noch erwähnen: Betrachten wir die Berufsprofile der Abgeordneten im deutschen Bundestag, so fällt auf, dass die Zusammensetzung der Berufe in keinster Weise die Lebenswirklichkeit der Menschen ‚da draußen im Lande‘ abbildet. Verwaltung, Öffentlicher Dienst (Justiz, Lehramt) dominieren.[11] Hinzu kommt, dass viele Abgeordnete direkt von der Schulbank oder nach dem Studium ihre politische Karriere starteten ohne sich erst einmal den Wind außerhalb der Parlamente und Ausschüsse um die Nase wehen zu lassen. Schülerengagement in allen Ehren, aber ein Parlament, das sich nur über Expertenausschüsse oder (schlimmer!) Lobbyisten an relevante Themen herantastet, steht in Gefahr, die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Parteipolitiker werden dann bestenfalls als inkompetent und schlimmstenfalls als unehrliche Taktierer einer Machtelite wahrgenommen.

Schweigende Mehrheit oder lautstarke Minderheit?

15 bis 20 % Zustimmung für die AfD sind besorgniserregend. Aber heutzutage gehört es ja fast zum guten Ton besorgt zu sein. In den Landtagen wird die AfD nun die einmalige (sic!) Chance bekommen,  sich selbst im Tagesgeschäft der Politik zu zerlegen. Das haben schon die Republikaner, die Piraten und andere ganz gut hingekriegt. Einerseits … Aber ohne Zweckpessimismus zu verbreiten: Die „Altparteien“ (das ist neuerdings die Bezeichnung für die ehemaligen Volksparteien SPD und CDU) können sich definitiv nicht zurücklehnen und warten, bis das Volk, der große  Lümmel wieder selig einschläft. Denn da sind eine Menge Fragen. Berechtigte Fragen. Und es wäre an der Zeit, das Antworten nicht nur denen zu überlassen, die keine wirklichen Alternativen anzubieten haben, sondern frechen Etikettenschwindel betreiben und schamlos mit den Sehnsüchten und Stereotypen der Menschen spielen: alter Wein in neuen Schläuchen oder, wie es Heinrich Wefing genial formulierte: „Wann wird’s mal wieder richtig früher?“[12]

Ein paar dieser Fragen habe ich hier zur Diskussion gestellt.

Weitere werden folgen.

 

[1] Heinrich Heine; ein Wintermärchen; http://www.heinrich-heine.net/winter/winterd1.htm

[2] Vgl. Jan-Werner Müller; Der Triumph des Populismus; in: Blätter für deutsche und internationale Politik; 4/16; S. 63-75

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratiehttps://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie;

[4] Vgl. hierzu den OECD-Bericht zur gesellschaftlichen Teilhabe durch Bildung 2014: http://www.oecd.org/berlin/presse/bildung-2014-deutschland.htm

[5] http://schulpreis.bosch-stiftung.de/content/language1/html/53141.asp

[6] Gründe dafür finden sich in diesem Artikel, die das Problemmanagement zweier Brennpunktschulen miteinander vergleichen. http://www.tagesspiegel.de/berlin/schulen-in-sozialen-brennpunkten-was-hat-berlin-aus-dem-ruetli-brandbrief-gelernt/13309852.html

[7] Vgl. Wahlprogramm zur Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg, S.33  http://www.alternativefuer-bw.de/wp-content/uploads/Landtagswahlprogramm_AfD_2016.pdf

[8] http://www.servicelearning.de/index.php?id=13

[9] http://www.balu-und-du.de/index.php?id=ueber_uns

[10] http://www.ulrike-blatter.de/mein-projekt-2/

[11] http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/mdb_zahlen/berufe/260132

[12] http://www.zeit.de/2016/17/konservativismus-rechtspopulismus-europa-afd-ungarn

Posted by:ulrikeblatter

Autorin, Ärztin, Gärtnerin, Reisende, Freundin - ich begegne Menschen und liebe das Leben. Immer. Bedingungslos. Auch wenn es weh tut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s