Vom 6.8. – 10.8.2018 fuhren wir durch Kurland circa 400 Kilometer bis zur litauischen Grenze.

route lettland ost (3)_LI

Nach erlebnisreichen und entspannten Tagen in Riga, wappnen wir uns innerlich, da die Einfahrt über die stark befahrene A2 vor zwei Tagen bei uns akute Schnappatmung ausgelöst hatte. Wie überrascht sind wir jedoch, als die Ausfahrt nach Westen über einen der schönsten Radwege führt, die wir auf dieser Reise genießen werden! Parallel zur Eisenbahnstrecke verläuft der Europaradweg R1. Mit fast schon holländischem Ausbaustandard führt diese geniale Piste vorbei an Gärten und durch duftende Kiefernwälder.

Bis zum Ferienort Jurmala geht es in diesem Stil weiter … und dann … wird es eng! Jurmala ist das einzige lettische Kurbad mit sagenhaften 26 Kilometer Strand. Auf der Promenade schieben und drängeln sich Touristen an Andenkengeschäften und Fressbuden vorbei. Wir steigen ab und lassen uns mitschieben. Es dauert nicht allzu lange, und wir sind wieder im Wald – aber längst noch nicht raus aus der Stadt: 64 % des Stadtgebietes sind Wald oder werden als „naturnah“ bezeichnet. Der Himmel wird dunkler und der leichte Wind frischt spürbar auf – als der erste Regenschauer auf uns niederprasselt, befinden wir uns glücklicherweise wieder in besiedeltem Gebiet – ein Einkaufszentrum bietet Schutz, aber gern hätten wir uns die Wartezeit mit einem Kaffee verkürzt. Leider ist das Café neben dem Einkaufszentrum noch geschlossen, aber ein Kellner erbarmt sich, und wir können an Leib und Seele gewärmt das schlechte Wetter abwarten.

Nach der kurzen Zwangspause geht es weiter. Die Luft ist vom Regen sauber gewaschen und riecht gut. Wir radeln vorbei an protzigen Neubau-Villen mit Rundum-Video-Überwachung, historischen Jugendstilhäusern, halb verfallenen Holzhäusern und miefigen Plattenbauten. Die sozialen Unterschiede des Landes ballen sich hier auf allerengstem Raum zusammen.

Der offizielle Radweg führt hinter Jurmala über eine touristisch recht gut erschlossene Route im Landesinneren. Die Stationen sind: Tukums, Sabile, Kuldiga und Jurkalne. Wir entscheiden uns jedoch für einen „Umweg“ an der Küste entlang, denn wir wollen zum Kap Kolka, dem einzigen Ort in Lettland, wo man Sonnenauf- und Untergang über dem Meer bewundern kann.

***

Das Land wird zunehmend leerer. Wir durchradeln den Kemeru Nationalpark. Die Dörfer wirken wie in einen Dornröschenschlaf versunken und die Küste rückt wieder näher. Im milden Klima Kurlands gedeihen über zwanzig Wildorchideenarten. Einige abgeblühte Exemplare finden wir am Wegrand. Engure ist eine unscheinbare Siedlung, gelegen an einem großen Binnensee. Dort soll es die seltenen „Mondkühe“ geben: Der Sage nach sind sie der Ostsee entstiegen und haben deshalb ein blaues Fell. Ob sie auch blaue Milch geben, wollten uns die Einheimischen nicht verraten. Die Wege rund um den See sind Sandpisten, eher zum Wandern als zum Radfahren geeignet. Wir ersparen sie uns und fahren weiter. Wer hier jedoch Urlaub macht, sollte das Netz an Wanderwegen unbedingt nutzen.

abgeblühte Orchideen
dav
Videoüberwachung ist auch in der Einöde allgegenwärtig.
dav
Vor der Reise hatte ich mir drei Kilo draufgefuttert wie man hier sieht. Die schmolzen aber in den nächsten Tagen dahin …

Über uns ziehen kleine Gruppen von Wildgänsen und immer mehr junge Störche verlassen die Nester. Noch ist es früh im Jahr, aber in wenigen Wochen werden sich hier riesige Vogelschwärme sammeln. Immer wieder ballen sich dunkle Wolken am Himmel, aber ein zunehmend böiger Wind bläst den Regen fort ins Landesinnere hinein. Dafür kämpfen wir mit Gegenwind, der uns das Leben schwermacht. Gemeinsam mit zwei Jungs aus Hamburg liefern wir uns immer wieder kleine Rennen, um Laune und Motivation zu heben.

Wir radeln nun durch das Gebiet der Liven – einer finno-ugrischen Minderheit, die mit Finnen und Esten verwandt ist. Sie besiedelten schon früh die baltische Küste von Kurzeme (Kurland) und so kam Lettland zu seinem ersten Namen: „Livland“. In zwölf winzigen Fischerdörfern leben heute nur noch 170 „echte“ Liven – diese Volksgruppe dürfte damit eine der kleinsten Minderheiten Europas sein, und die livische Sprache wäre vom Aussterben bedroht, gehörte sie nicht zum offiziellen Kanon der Kulturgüter Lettlands, was eine gewisse Förderung sichert. Der Niedergang hat zwei Gründe: zum einen integrierten sich Liven immer stärker in der lettischen Gesellschaft, zum anderen gehörte Kurland in der Zeit der russischen Regierung zu einer verbotenen Zone. Das Gebiet der Liven war weitgehend gesperrt, und den Seefahrern war ihre Haupterwerbsquelle verboten: der Fischfang.

Diese Sperrzone hat den Menschen wenig Gutes gebracht – der Natur dagegen umso mehr: Die riesigen Wälder sind Naturschutzgebiet und Nationalpark – durchschnitten lediglich von einer einzigen Asphaltstraße, die wie mit dem Lineal gezogen scheint (zum lettischen Straßennetz vergleiche auch hier). „Diese Straße müsst ihr unbedingt fahren!“, empfahl uns ein radelnder Kollege in Riga. Wahrscheinlich hatte er zu viele Schotterpisten in den Knochen und der Asphalt erschien ihm wie ein roter Teppich. Wir jedenfalls … langweilen uns. Wir wundern uns, dass wir mitten im Naturschutzgebiet kein einziges Tier sehen, auch die Vogelschwärme sind urplötzlich verschwunden. Überfahrene Tiere am Straßenrand sind eine traurige Sache, aber sie geben uns wenigstens einen Hinweis darauf, welche Vielfalt in den Wäldern kreucht und fleucht. Hier? Ein einziger zerzauster Singvogel. Sonst nichts. Unendliche Wälder, das Meer rechts bleibt unsichtbar hinter Dünen, die Stichstraßen in die Dörfer sind reine Schotterpisten. Es ist heiß. Ganz selten überholt uns einmal ein Auto und hupt freundlich zur Begrüßung. Eine Baustelle wird zum Ereignis. Die Arbeiter winken, johlen und bieten uns Wasser an. Sie errichten neue Strommasten. Wir beginnen die Strommasten zu zählen. Es hat etwas Hypnotisches … Kann man beim Radfahren vor lauter Langeweile einschlafen? Wir hegen mittlerweile ernsthafte Bedenken, und um uns wachzuhalten, beginnen wir lauthals zu singen. Das Land ist so menschenleer, dass keine Gefahr besteht, jemanden dadurch zu traumatisieren.

es ist anstrengend …

Nach 80 Kilometern halten wir Ausschau nach einer Bleibe für die Nacht. Normalerweise finden sich immer wieder entlang der Küste Gratis-Campingplätze mit minimaler Infrastruktur. Aber selbst die haben wir in den letzten Stunden nicht mehr gesehen. Wir folgen einem Hinweisschild, das Camping anbietet. Eine Frau, die sicher nicht halb so alt ist, wie sie aussieht, erhebt sich unwirsch von der wackligen Veranda ihres winzigen Holzhäuschens. Sie macht nicht den Eindruck, als ob sie heute Abend noch Besuch erwartet. Ja klar, können wir bleiben. Der Blick irrlichtert über unsere Räder, scannt den Wasservorrat (der zur Neige geht), gleitet über unsere müden Gesichter. Ein süffisantes Lächeln gleitet über ihre Züge. „Zehn Euro“, bietet sie uns an. Das ist für hiesige Verhältnisse sehr, sehr teuer. „Dusche?“, fragen wir und sie schüttelt den Kopf. Ihre schmuddelige Bluse klafft, und zwei üppige Brüste versuchen sich aus einem fleischfarbenen BH zu befreien. Ich konzentriere mich auf das Gesicht der Frau, was auch kein Vergnügen ist: glitzernde, abschätzige Augen, ein schmal zusammengekniffener Mund umrahmt von senkrechten Falten. Der Hof ist dreckig. Joachim beginnt zu verhandeln. Für uns gibt es Wasser draußen auf dem Hof, keine Benutzung der Toilette (wo ist die überhaupt??!). Außerdem dürfen wir auch nicht auf ihrem Grundstück übernachten, sondern nur unten am Strand. Ja klar, ich habe verstanden! Vielen Dank für nichts! Ohne große Worte wende ich mein Rad und schiebe es die Auffahrt hinauf. „Du kannst echt konsequent sein“, merkt Joachim an, als auch er sich in den Sattel schwingt. „Wer achtzig Kilometer geschafft hat, schafft auch hundert“, grummle ich und frage mich, ob ich das auch wirklich glaube. Meine Wasserflasche ist leer. „Fünf Euro“, keift uns die Alte hinterher. Wir lachen nur.

Nach exakt 105 Kilometern landen wir in Upesgrīva – einem Ort, so klein, dass ihn Wikipedia nur auf Lettisch kennt. Nachdem uns eine weitere geschäftstüchtige Frau in ein völlig überteuertes Ferienhaus (Baracke ohne Infrastruktur ….) locken wollte, finden wir versteckt und kaum ausgeschildert tatsächlich einen winzigen, familiären Campingplatz. Die Duschen sind geradezu luxuriös, allerdings riecht auch hier – wie an vielen Orten in Lettland – das Wasser merkwürdig metallisch, sodass wir zwar duschen, aber nicht die Wäsche waschen. Bereits in Sigulda haben wir schlechte Erfahrungen gemacht: Das stark eisenhaltige Wasser hat unsere Trikots mit knallorangenen Flecken verfärbt, die sich kaum herauswaschen lassen. Statt großer Wäsche genießen wir den Sonnenuntergang an einem fast menschenleeren Strand. Auf dem Rückweg holen uns Regen und Sturm wieder ein. Aber wir haben vorgesorgt: Auf dem Campingplatz steht ein riesiges Partyzelt, in dem wir uns häuslich eingerichtet haben. Mit viel Frischluft und trotzdem trocken und windgeschützt schlafen wir rasch ein.

***

Am nächsten Tag fahren wir durch den kleinsten lettischen Nationalpark: den Slīteres nacionālais parks und genießen wenig später den Lohn unserer Mühen: Kap Kolka ist ein wirklich magischer Ort und man hat das Gefühl über eine riesige dreidimensionale Landkarte zu laufen. Ein sandiges Dreieck schiebt sich ins Wasser und die Wellen von „kleinem“ und „großem Meer“ begegnen und überkreuzen sich.

Das kleine Meer – der Rigaer Meerbusen – ist zahm und so salzarm, dass dort sogar Süßwasserfische leben. Das große Meer – die „richtige“ Ostsee – ist wilder und rauer. Auch hier stoßen wir auf bedrückende Überbleibsel der Sowjetzeit, aber das tut der Magie des Ortes keinen Abbruch. Lange laufen wir an der Küste entlang, wo unzählige von der Sonne ausgebleichte Baumriesen liegen. Diese „schlafenden Bäume“ wirken wie urzeitliche Tiere, die am Strand träumen und es versäumt haben wieder ins rettende Nass zurückzukehren.

IMG_20180807_165734

Endstation für diesen Tag ist Mazirbe, der Hauptort der Liven. Leider wird das livische Kulturhaus mit angeschlossenem Museum zurzeit renoviert. Entschädigung bietet jedoch der Campingplatz. Das Empfangskomitee besteht aus zwei quirligen Dackeln. Die Dame, die uns sechs Euro (!) für die Übernachtung abkassiert, spricht fließend deutsch. Sie ist Deutsch-Lehrerin und lebt in einer Stadtwohnung ohne Balkon. In den Sommerferien betreut sie den Campingplatz ihrer Freundin, was für sie und die Hunde Urlaub und kleiner Zusatzverdienst in einem ist.

Das Highlight des Tages liegt hinter Büschen und kleinen Holzbrücken verborgen: eine traditionelle Sauna, die extra für uns angefeuert wird – und zwar mit echtem Holz. Total entspannt verbringen wir einen erholsamen Abend, der wie aus der Zeit gefallen scheint.

***

Auf der Weiterfahrt suchen wir nach Robben, die es hier reichlich geben soll, aber wir entdecken nur diese Sorte See-Hund – der sich allerdings auch gern mal von Fisch ernährt!

Ventspils (Windau) ist eine alte Stadt, die mit ihrer Ordensburg erste historische Erwähnung fand. Wir machen dort eine Pause und kommen gar nicht los vom Hafen. Neben Fährverbindungen nach Deutschland und Schweden bietet der eisfreie Hafen den zweitgrößten Güter-Umschlagsplatz in Lettland. Wir bestaunen mit welcher Geschwindigkeit eine schier unüberschaubare Menge an Kohle dort entladen wird.

Weiter geht es in Richtung Jurkalne, das neben dem Ort Alsunga ebenfalls das Zentrum einer Minderheit ist (Zentrum erscheint für diesen kleinen staubigen Ort fast ein wenig hoch gegriffen, aber seis drum …). Die Suiti sind eine katholische Volksgruppe, eine Besonderheit im traditionell evangelisch-lutherischem Lettland. Heirat außerhalb der eigenen religiösen Zugehörigkeit war über vierhundert Jahre nicht gestattet, was zu einer freiwilligen (?) Selbstisolation führte. In dieser Zeit bildete sich ein eigener Dialekt heraus, und angeblich existieren über 52.000 Suiti-Volkslieder in diesem Idiom, das von den Suiti als eigene Sprache bezeichnet wird.

***

Neben diesen kleinen Minderheiten gibt es jedoch auch eine sehr große Bevölkerungsgruppe: die Russen. Lettland war (wie auch Finnland, Estland und Litauen) Teil des russischen Reiches und hatte immer einen stabilen russischen Bevölkerungsanteil um die 15 %. Nach dem Ersten Weltkrieg erstmals unabhängig, geriet das Land während des Zweiten Weltkrieges im wahrsten Sinne zwischen die Fronten: Der Hitler-Stalin-Pakt schlug Lettland der russischen Einfluss-Sphäre zu. Als Lettland dann von der deutschen Wehrmacht besetzt wurde, fiel es leicht, dies als Befreiung vom stalinistischen Terror zu instrumentalisieren. Auch Lettland hat ein finsteres Kapitel mit ethnischen Säuberungen und einem bitteren Beitrag als Durchgangsstation zu den Vernichtungslagern (ich werde auf dieses Thema in einem gesonderten Beitrag eingehen). 1944 / 45 wurde Lettland russisch besetzt und dann der Sowjetunion angegliedert. In den folgenden Jahren stieg der Anteil russischer Zuwanderer sprunghaft auf ca. 40 % an. Insbesondere in Riga waren bis zu 60 % der Wohnbevölkerung russisch oder russischstämmig.

Nach der Unabhängigkeit von 1991 und den Bestrebungen zum EU- und NATO-Beitritt, wurde die Situation der russischsprachigen Bevölkerung zum Synonym der gesellschaftlichen Spaltung Lettlands. Eine gesetzliche Regelung machte alle russischstämmigen Menschen, die nach 1940 nach Lettland gezogen sind, automatisch zu sogenannten „Nichtbürgern“, das heißt zu Staatsbürgern mit begrenzten Rechten. Aktuell betrifft das immerhin 11 % der Menschen, die in Lettland leben. Um eingebürgert zu werden, muss u.a. ein Sprachtest bestanden werden, was von vielen älteren Menschen als Zumutung empfunden wird. Nach Westannäherung und Krimkrise wird die Situation sowohl von russischer als auch von lettischer Seite immer wieder instrumentalisiert und propagandistisch aufgeladen. Das Vertrauen ineinander ist begrenzt; wir sprachen mit Betreuerinnen eines Jugendcamps, in dem Kinder und Jugendliche beider Gruppen gemeinsam Ferien machten. Auch die Betreuerinnen beklagten, dass die einzelnen Ethnien sich voneinander abgrenzen und untereinander ihre jeweils eigenen Sprachen nutzten. Das Problem der Nichtbürger erschien uns als ein Symptom der gesellschaftlichen Schieflage in Lettland. Die mangelnde Infrastruktur, das verbesserungsbedürftige Bildungssystem, der Umbau von einer Industriegesellschaft zu mehr Agrarproduktion, die rasante Abwanderung junger Menschen und die Ballung in den großen Städten – vor allem Riga, sind weitere wunde Punkte, auf die man aber offensichtlich nicht so gerne schaut. Der Status eines Nichtbürgers kann jedoch auch Vorteile mit sich bringen – zum Beispiel bei Reisen: Wie ein Riegel liegt die russische Exklave Kaliningrad zwischen EU-Gebiet und den baltischen Staaten. Im Süden liegt Weißrussland. Lediglich ein schmaler Grenzkorridor im Südwesten Litauens grenzt direkt an Polen. „Wenn wir reisen wollen, wird es teuer und kompliziert“, sagte uns ein junger Mann. „Entweder man reist mit der Fähre oder man fliegt.“ Auf dem Landweg braucht es ein langwieriges und teures Visaverfahren, um reisen zu können. Nichtbürger sind da klar im Vorteil: sie können visafrei nach Russland und in die EU einreisen. Für nicht wenige Menschen ist das ein gewichtiger Grund weiterhin diesen Status beizubehalten.

***

Die letzte große Station in Lettland ist Liepāja (Liebau). Die drittgrößte Stadt Lettlands begrüßt uns mit einem Ring alter Industrieanlagen, die nur noch teilweise in Betrieb sind. Wir fotografieren ein wenig im alten Arbeiterviertel herum, und ein kleiner Junge übernimmt begeistert die Rolle des Fremdenführers.

Wenig später finden wir ein pittoreskes kleines Hotel (Fountain-Hotel), das eher einem Museum gleicht oder der Kulisse für einen herrlich altmodischen Kriminalfilm.

Von dort starten wir zu Fuß in die Altstadt. Ohne die einzelnen Sehenswürdigkeiten gezielt zu suchen, schlendern wir durch Parks und über Kopfsteinpflaster.
Die Bilder geben einen Eindruck von einer Stadt, die das Zeug hätte, sich zum Touristenmagneten zu entwickeln – wenn nur die Zufahrtstraßen etwas besser wären… Aber da überall kräftig gebaut wird, kann man zuversichtlich sein. Als Hafenstadt ist Liepāja auch per Fähre zu erreichen.
Und nicht nur an den Straßen wird gebaut, auch die Holzhäuser werden teilweise aufwändig saniert. Da ist viel zu tun…


Leider gibt es an diesem Abend kein Konzert, so dass wir die Konzerthalle, genannt Bernstein, nur von außen bewundern können. Aber auch sonst wird kulturell einiges geboten.

dav
Als wir durch die Gässchen schlendern, reden wir miteinander. Deutsch. Natürlich, was sonst. Eine alte Frau spuckt uns hinterher und ruft „Schweine“. Explizite Deutschfeindlichkeit ist uns bisher nicht begegnet, und die Frau ist auch schwer betrunken… Aber nur wenige Meter weiter findet sich eine Gedenktafel, dass in einem Mietshaus elf Juden versteckt wurden. Auch hier haben die Nazischergen entsetzlich gewütet.

Eigentlich wollen wir am nächsten Tag eine Stadtrundfahrt per Straßenbahn starten. Es gibt nur eine einzige Straßenbahnlinie, und so kann man gemütlich von einem Ende der Stadt zum anderen zuckeln, aber das Wetter änderte unsere Pläne. Deshalb verzichten wir auf den Besuch des russischen Viertels mit dem Kriegshafen Karosta und der ältesten Drehbrücke des Baltikums (wird aktuell repariert).  Außerdem haben wir keine Lust auf das Gefängnis dort, das zu einem Museum umgebaut wurde – die KGB-Zellen in Tallin sind uns noch in frischer Erinnerung. (LINK)
Liepāja war wegen seines eisfreien Hafens seit dem 18. Jahrhundert von strategische Interesse und als Militärstützpunkt angelegt. Bei unserer Ausfahrt aus der Stadt sehen wir weitere Verteidigungsanlagen, imposante Forts, die jedoch nie benutzt wurden.

Das schlechte Wetter sitzt uns im Nacken. Der Wetterbericht kündigt eine Sturm- und Regenfront an. Wir entscheiden uns etwas überstürzt weiterzufahren, um den letzten Rest guten Wetters zu nutzen. An diesem Tag schaffen wir es bis nach Litauen hinein. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

Übrigens – unsere Fahrradreise war ein Spendenlauf für Kinderprojekte in Bosnien. Mehr dazu findet Ihr auf betterplace und unter @HolidayChallenge2018 auf Facebook und Instagram

Weiterlesen? Meine Bücher findet Ihr hier: www.ulrike-blatter.de

Posted by:ulrikeblatter

Autorin, Ärztin, Gärtnerin, Reisende, Freundin - ich begegne Menschen und liebe das Leben. Immer. Bedingungslos. Auch wenn es weh tut.

Eine Antwort auf „Kurzeme (Kurland): Nichtbürger im Niemandsland und andere Kuriositäten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s